Für den einen ist die alte Vespa der Inbegriff italienischen Lebensstils, für andere ein lautes, stinkendes Gefährt. Doch eins kann man den Rollern aus dem Süden nicht absprechen: Sie halten sich gut im Straßenverkehr.
Alle, die schon einmal Urlaub in Italien gemacht haben, werden an die schönen Tage in der Wärme erinnert, wenn sie eine alte Vespa sehen. Die unverkennbare Form verbindet man mit Freiheit, Sonnenschein und schönen Menschen. Das Alter macht die Mopeds sogar noch attraktiver: Die vielen Kilometer verleihen dem Blech-Roller eine Seele und eine Geschichte, die kein asiatischer Flitzer bieten kann. Der Kult um die klassischen Roller aus Italien geht sogar so weit, dass heute Modelle wieder im klassischen Stil hergestellt werden: mit den gleichen Kurven wie vor fünfzig Jahren, aber mit moderner Technik.
Wobei natürlich fraglich ist, ob man Zweitaktmotoren als moderne Technik bezeichnen kann. Die Schadstoff-Emissionen machen eine alte Vespa leider zu einer Belastung für das Umweltgewissen. Auch wenn sie in Litern gemessen weniger verbrauchen als Autos, stoßen sie im Vergleich viel mehr giftige Abgase aus. Auch sind sie nicht gerade leise; ihr Knattern erntet bisweilen nicht nur sehnsüchtige Blicke, sondern auch verärgerte. Doch das könnte bald der Vergangenheit angehören: Elektro-Roller sind auf dem Vormarsch. In China fahren bereits Millionen auf leisen und umweltfreundlichen Rollern, die kein Benzin verbrauchen. Die Zweiräder könnten die ersten Fahrzeuge im Stadtverkehr sein, die überwiegend mit Strom betrieben werden.
Vorerst fahren die meisten Roller allerdings noch mit Benzin. Und eine alte Vespa bietet viel jenseits ihres Gebrauchswerts. Wer darauf sitzt, zeigt, dass auch im Straßenverkehr Effizienz nicht alles ist. Mögen die alten italienischen Mopeds noch so mitgenommen aussehen, in ihnen steckt viel Herzblut. Sie sind zwar simpel gebaut, was Reparaturen verhältnismäßig einfach macht; doch bei älteren Fahrzeugen ist es normal, dass ständig etwas kaputt ist. Bei Rollern, die oft mit hoher Drehzahl und niedriger Geschwindigkeit fahren, ist die Abnutzung pro Kilometer erst recht höher. Deshalb ist der Fahrer einer alten Vespa meist auch ein begnadeter Bastler. Die Pflege, die ein altes Moped benötigt, zwingt den Besitzer zu vielen Stunden Zweisamkeit mit dem Zweirad. So ist die Beziehung zum Fahrzeug natürlich um einiges persönlicher.
07. Juni